|
|
Unternehmen verkennen Tragweite der IAS-Umstellung
Umstellung auf neuen
Rechnungslegungsstandard wird zu selten als Management-Thema
wahrgenommen. Unkenntnis über Chancen, Risiken und Auswirkungen.
Eschborn/Frankfurt am Main, 21. Januar 2003. Viele Unternehmen, die
aufgrund der EU Verordnung auf IAS umstellen, laufen Gefahr,
gravierende Managementfehler zu begehen. So wird die Umstellung nur
halbherzig vorgenommen und damit die Chancen aus der IAS/IFRS
Umstellung vertan. Zudem wird der mit der Umstellung verbundene
finanzielle und personelle Aufwand unterschätzt. Das sind die
wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung, die Ernst
& Young durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut durchführen
ließ. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden 200 Finanzvorstände und
Leiter des Finanz- und Rechnungswesens befragt.
53 Prozent der betroffenen Unternehmen glauben irrtümlicherweise,
dass die Umstellung in 50 Manntagen zu bewältigen sei; 46 Prozent
schätzen den Aufwand auf unter 50.000 Euro. Zudem glauben zwei
Drittel der Unternehmen, dass sie die Umstellung innerhalb von
weniger als sechs Monaten schaffen können. Der tatsächliche
Aufwand ist größer: Die Erfahrung zeigt, dass ein
Umstellungsprojekt - abhängig etwa von der Größe und Komplexität
des Unternehmens - im Durchschnitt leicht sechs bis neun Monate übersteigen
kann. Insgesamt können auf die betroffenen Unternehmen Kosten
zwischen 100.000 Euro und weit über 1 Mio. Euro zukommen.
"Die meisten Unternehmen unterschätzen den Aufwand, mit dem
eine Umstellung auf IAS/IFRS verbunden ist. Es herrschen völlig
unrealistische Vorstellungen über den Umstellungszeitraum und die
anfallenden Kosten. Dieses Ergebnis ist alarmierend", so Gerd
Willi Stürz, Mitglied des Vorstandes von Ernst & Young.
Auch bei der Beurteilung von Chancen und Risiken aus der IAS/IFRS
Umstellung zeigt sich ein gravierendes Informationsdefizit. Die
Risiken der Umstellung werden unterschätzt und mehr oder weniger
auf das operative Umstellungsrisiko reduziert. So sehen 78 Prozent
der Unternehmen kein oder nur ein geringes Risiko. Bei den sich
bietenden Chancen ist die Situation ähnlich: Fast die Hälfte der
Unternehmen erkennt die mit der Umstellung verbundenen Potenziale
nicht. Diese Unternehmen ignorieren damit etwa die Möglichkeit, das
externe und interne Rechnungswesen zu synchronisieren und damit die
Berichtsprozesse einschließlich der dazugehörigen EDV-Systeme
effizienter zu gestalten.
"Der Trend zur weltweiten Anwendung von IFRS ist Teil der
Marktanforderungen nach mehr und häufigeren Informationen sowie
schnellerer Kommunikation. Leider vergeben viele Unternehmen die
Wettbewerbschancen aus einer IAS/IFRS Umstellung leichtfertig",
kommentiert Sven Hayn, Partner bei Ernst & Young, die
Ergebnisse.
Die ganze Bandbreite des notwendigen Anpassungsbedarfs bleibt für
die meisten Unternehmen im Dunkeln. Kaum ein Unternehmen beschäftigt
sich mit den Auswirkungen auf das Tagesgeschäft. Interne Prozesse
werden in den wenigsten Fällen modifiziert. Sinnvolle und
notwendige strategische Anpassungen, die bis zu einer völligen
strategischen Neuausrichtung reichen können, werden nur unzulänglich
wahrgenommen. Fragestellungen der Kommunikationsstrategie gegenüber
den wesentlichen internen und externen Interessengruppen werden
nahezu vollständig ausgeblendet. Auch wenn die Unternehmen, die
bereits IAS/IFRS-Erfahrung besitzen, gedanklich einen halben Schritt
weiter sind: Auch für sie gibt es in diesem Umfeld offensichtlich
noch großes Verbesserungspotenzial.
Pressemitteilung Ernst&Young
21.1.2003
|
|